Was sind die derzeitigen Trends? Was wird getragen, an Musik gehört und an Filmen geschaut? Es wird wohl keine passende Antwort auf solche Fragen mehr geben, denn eine Mainstreamkultur ist in unserer digitalen Welt schlichtweg nicht mehr identifizierbar. Das mag einerseits überfordernd sein, denn der Weg in eine individuelle Kultur, mit der man sich identifizieren kann, ist heute steiniger denn je. Warum der Trend zur Variation und der Auffächerung der gegenwärtigen Kultur trotzdem ein Glücksfall ist, zeigen wir hier.

Kunst überall

Vielleicht können einige wenige Events noch Massen an heterogen zusammengesetzten Leuten für sich begeistern. Der neueste Star Wars Film vielleicht, ein Konzert der Toten Hosen oder grundständige Anbieter wie Amazon oder H&M.

Doch ist die heutige Kunst- und Kulturlandschaft heterogener als je zuvor. Wer hätte vor wenigen Jahren noch gedacht, für so gut wie jeden Musikstil ein Festival, jeden Geschmack ein Filmgenre und alle musikalischen Möglichkeiten gleich ganze Labels vorzufinden? Es ist eine schwierige Entscheidung, für welchen Stil, welche Kunst und welche Unterhaltung man sich entscheidet.

Beispielsweise war Nirvana die Kultband der Neunziger, als Rebell in den Achtzigern wurde man zum Punk und in den Siebzigern konnte man sich schon mit dem Anstecken eines Joints wohltuend von der konservativen Elite abheben.

Heute ist das anders. Es wimmelt von Ausdrucksweisen, Geschmäckern und Arten des Exzesses. Jede Droge wurde schon erforscht, jeder Musikton schon gespielt, jede unfassbare Story schon erzählt.

Doch ist das ein Grund zum Verzagen?

Frei zu sein bedarf es wenig

In einer Welt ohne erkenntliche Labels muss man definitiv engagierter suchen als in einer konservativen Ordnung, die die Rollen des Normalen und des Aufmüpfigen vorgibt. Doch liegt auch hier die Schönheit dieser vielen Möglichkeiten.

Man ist nicht mehr nur Teil von etwas, sondern ganz man selbst, wenn man sich für die abgefahrensten Festivals, exzentrische Musik oder einen ganz biederen Klamottenstil entscheidet – und es ist gut, dass die Möglichkeit zu wählen heute fast schon selbstverständlich scheint.